Homo-Zone: Coming-Out - ja oder nein?


Du bist schwul, lesbisch oder bisexuell. Daran kann niemand mehr etwas ändern, denn du hast dich damit abgefunden. Du bist alleine, niemand weiss von deiner sexuellen Neigung. Du spürst aber ein Verlangen, es deinen Freunden, Freundinnen und Eltern zu sagen. Du bist bereit für das Coming-Out.

Nur: So einfach ist das nicht. Ängste plagen dich, deine Liebsten könnten dich ablehnen wegen deiner Sexualität. Du wägst ab, ob es nicht doch besser wäre, noch zu warten, etwa bis du eine eigene Wohnung hast und nicht mehr abhängig bist. Andererseits willst du dieses Geheimnis nicht länger für dich behalten müssen, dein wahres Ich verstecken müssen. Vielleicht hast du sogar schon einmal den Entschluss gefasst, dich bei einem Freund oder einer Freundin zu outen, hast es dann aber doch nicht getan, weil im letzten Moment wieder Zweifel aufkamen. Vielleicht hast du schon einmal einen Brief an deine Eltern geschrieben, dich aber nie getraut, ihn ihnen zukommen zu lassen.

Soll ich oder soll ich nicht?
Das Coming-Out ist ein Schritt, den du irgendwann gehen musst. Und dabei gilt grundsätzlich: Besser heute als morgen. Sehr viele homo- oder bisexuelle Jugendliche stürzen in ein psychisches Loch, wenn sie ihr Geheimnis lange für sich behalten. Das Coming-Out wirkt hingegen befreiend, es ist für sehr viele Lesben, Schwule und Bisexuelle ein Tor zum Leben.

Und trotzdem: Deine Zweifel und Ängste sind verständlich. Du hörst oft dumme Sprüche über Schwule und Lesben, manchmal von Personen, die man eigentlich gerne hat. Das tut weh und bekräftigt immer wieder deine Befürchtungen, dass ein Coming-Out negative Folgen haben könnte. Doch die Realität sieht zum Glück mittlerweile ein bisschen anders aus. Negative Reaktionen auf ein Coming-Out gibt es nicht oft. Die meisten Freunde und Freundinnen nehmen diese Botschaft gelassen auf. Viele wird es zwar ein wenig verwirren im ersten Moment. Verständlich, denn das ist meistens eine neue Situation, in der sie sich nicht sofort zurechtfinden. Einige werden dein Coming-Out aber auch als Vertrauensbeweis auffassen. Und das kann eine Freundschaft verstärken. Wenn eine Person trotzdem negativ reagieren sollte, war sie diese Freundschaft vielleicht auch gar nicht wert. Was meinst du?
Vor allem deine Eltern werden aber vielleicht Zeit brauchen, um deine Homo- bzw. Bisexualität zu akzeptieren. Für manche Eltern ist dies sehr schwierig, weil sie eine sehr enge Bindung mit ihrem Kind haben. Der unerfüllbare Wunsch nach Enkelkindern kann mit ein Grund sein, dass deine Eltern erst nach einer gewissen Zeit, in der sie sich informiert und mit dem Thema auseinandergesetzt haben, wieder volles Vertrauen zu dir finden. Die Wartezeit lohnt sich aber. Auch für dich.

Die erwünschte Nebenwirkung
Was in unserer Gesellschaft heute noch fehlt, ist die uneingeschränkte Akzeptanz gegenüber Homo- und Bisexuellen. Also, packen wir's an! Du kannst mithelfen. Mit deinem Coming-Out bewirkst du nicht nur deine persönliche Veränderung, sondern du kannst vielen Menschen die Augen öffnen. Indem sie dich kennen und wissen, dass du lesbisch, schwul oder bisexuell bist, können viele Vorurteile abgebaut werden.

Der Ausnahmefall
Deine Eltern sind streng religiös. Sie leben nach der Bibel oder dem Koran. Leider glauben viele religiöse Menschen noch immer, dass Homosexualität eine Sünde ist. Die Nächstenliebe bleibt dabei häufig auf der Strecke. Wenn du denkst, dass deine Eltern ebenso denken, kann es besser sein, wenn du deine sexuelle Neigung noch geheim hältst, bis du selbstständig bist. Um deinen speziellen Fall genauer zu betrachten, wäre es gut, eine professionielle Beratung aufzusuchen. Zum Beispiel anonym im Internet: "Dr. Gay" kann dir bestimmt einige gute Tipps geben.

In Kürze: Falls du dich als Homo- oder Bisexuelle(r) outest, hast du heutzutage gute Chancen, dass du von deinen FreundInnen und Familienangehörigen mehrheitlich positive Reaktionen bekommst, wenn dein Umfeld nicht streng religiös oder extrem konservativ ist.
Mit deinem Coming-Out hilfst du nicht nur dir selber, sondern bewirkst in deinem Umfeld grössere Akzeptanz, die auch anderen Homo- und Bisexuellen zugute kommen kann.
Links zum Thema:
- Dr. Gay: Professionelle Beratung
- dbna Webforum: Hilfe von Gleichgesinnten